**Du alter Freund**

 

               

 

An Elisabeth...

Als kleines Kind fiel dir der Apfel hin.

Er rollte fort.
Ein andres hob ihn auf, verzehrte ihn.
Du bliebst in deiner Ecke hocken,
verhieltest schweigend dich.

Die Früchte, die das Leben schenkte,
immer hast du sie genommen
und nicht mehr recht gepflegt,
und Gedanken,
die sich in dir bewegt,
nie sprachst du frei sie aus.

Die Trauben meiner Freundschaft,
du nahmst sie in des Frühlings Tagen,
und auch im Sommer doch,
nahmst gern den rauen Apfel noch
und in die alte Erde nicht,
gabst du des Fruchtes Kern.
 
Ich hoffte immer noch.
Doch nun rückst du so fern.
Du weißt, ich hab' dich gern,
doch ahn ich auch,
du findest alle Liebe -
nur weinend über Gräbern…


©opyright  Marianne R..

 

 
Du mein alter Freund
warst immer so gefangen.
Von einem Karo, einem Raume ohne Tür,
sprachst du zu mir.

So herzlich gern wollt' ich den Ausgang zeigen.
Doch Abgeschlossensein war deine Wahl.
Du nahmst die Blumen nicht,
die ich dir leise legte - an dein altes Fenster…



Wo bist du nur?
Ich sehe dich nicht mehr
und ahne dich nur schemenhaft.

Verteilst nur noch   
ERLITTNE SCHULD,
siehst nie, dass selbst du stichst.
Dein Glück du selber brichst.

Du Kräutchen Ungeduld,
Bequemlichkeit macht sehr sich breit.
Sieh' deines Kindes Fülle !
Ihr schafftet es euch an,
zu kitten, den zerbrochnen Krug.
Es war ein Trug …



Wie kannst du nur so leben?
Verkriechst dich nun
in zugestellten Räumen,
begibst nur zu dem Hügel dich
wo ruht die alte Hülle noch,
um trauernd nachzuträumen
alle deiner Lieb' Versäumen.



Werde endlich glücklich!
Ohn' mich geht's besser wohl,
das muss ich wohl nun denken.
Nach mehr als siebzig  Jahren
sag dir ein wehes - lebe wohl…

Ich weiß, keines von uns
wird je die frischen Fahrten  
durch des jungen Frühlings Zeiten
wohl vergessen,
auch nicht die Sommerrosen,
auch nicht das Blüh'n der Herbstzeitlosen,

Schneeglöckchen werde ich alleine pflegen
und weiße Blumen nun im Licht kosen. 
 
©opyright  Marianne R.

 
 

Weine ruhig, alter Freund,
Lass deine Tränen fließen.
Es tut der Seele gut,
mag etwas dich verdrießen.

Trockne sie wieder ab
und füll den Wasserkrug,
hast du geweint genug.
Dann handelst du recht klug.

Das Leben ist kein Kinderspiel.
Wohl keiner kommt je an sein Ziel,

der Tränen nicht vergossen,
umsonst ist nichts geflossen.

Drum weine, alter Freund,
vielleicht ein Stern dir scheint,

 wenn's nicht die Sonne ist
und Freude du vermisst.


Es wird dir neue werden!

 


 

©opyright  Marianne Reepen

 
 
 
  

 

 


 


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