*Mariannes zauberhafte Märchenwelt*

 
Märchen vom alten Weiblein...
 
Da hockt das Weiblein an einem schattenspendenden Baum, angelehnt an seinen Stamm. Es fühlt sich geschützt von seiner weiten, runden Krone, dessen Zweige so tief sich herunterneigen, dass man es kaum dort im hohen Gras wahrnimmt. Es atmet alle frühlingshafte Luft in sich hinein, belauscht das Zirpen der Grillen und beobachtet Käfer und Schmetterlinge, die dort leben.

Das Weiblein liebt diesen Baum, in dessen Inneren es so buntfarben ist, wie ein leuchtender paradiesischer Garten, denn er trägt ein unsichtbares Geheimnis in sich, das manche Menschen nur erahnen können, wenn sie sich neben es unter den Baum setzen.

In allen Blättern des Baumes verbergen sich Träume, und ab und zu löst sich ein Blatt und fällt dem Weiblein in den Schoß.
Dann beugt es sich zu ihm hinab, nimmt es in die Hand, besieht es liebevoll, streicht ganz sacht mit seinen Fingern über seine Adern, und plötzlich beginnt das Blatt zu leuchten und ganz feine Melodien von sich zu geben, und nur die Alte kann diese Melodien hören.

Dann nimmt sie eine Feder, die ein Vogel sich ausgerupft hat, um es dem Weiblein zu schenken, und plötzlich geschieht ein kleines Wunder, denn alles beginnt vor Freude zu strahlen, bricht sich durch die Blätter der Baumkrone einen feinen Weg hin zu den Wolken, und die Wolken erröten vor lauter Seligkeit.

So ziehen sie davon über alle Lande und lassen ab und zu ein winziges Regentropfenglück auf die Erde fallen.

Ob das Weiblein nun noch unter dem Baum sitzt?

Ab und zu gehen Kinder zum Baum und schauen nach ihm...

© Marianne Reepen

 
                  Fotograf: Rotheneder
 
 
        Märchen Träume vom Weiblein ...

Und wieder sitzt die Alte dort an ihrem Lieblingsplatz unter der alten Buche, die sie so gern hat. Am liebsten möchte sie seinen silberhellen, glatten Stamm umfassen, aber ihre Arme reichen nicht für eine liebevolle Umarmung.

Sie berührt ihn so oft und spürt irgend etwas Verwandtes...
Ist es ihr Herzschlag oder der des alten Baumes...?

Wieder lehnt sie den Kopf mit ihrem Silberhaar an ihn und träumt von ihrem langen Leben, und es fällt ihr etwas ein, was sie wohl nie vergessen wird, weil es so wunderschön gewesen war.

Es war im Garten hinter dem alten Stadthaus. Hier hatte der Großvater an einer ungeheuer hohen Trennungsmauer vor vielen, vielen Jahren einen Birnbaum gepflanzt, der die saftigsten „Winterbirnen“ trug, Flaschenbirnen, mit dicken Bäuchen und schlanken Hälsen.
Immer dann, wenn die hohe Leiter aus ihrem Versteck geholt wurde, dem jungen Weiblein war sie vorgekommen, als ob man mit ihr in den Himmel steigen könnte, herrschte helle Aufregung im Garten.

Diese raue, regengraue Himmelsleiter war unten sehr breit und oben so dünn und durchgebogen, dass die Frauen Ängste litten, sie könne einmal zusammenbrechen, wenn ihre Männer sich ans Werk machten.

Da wurden Kübel und Wannen und Eimer und Körbe herbeigeschleppt, und das Abenteuer begann.
Das Kind im Weiblein schaute zu, wie Korb an Korb hinunter getragen wurden und die Zinkwannen sich mit lauter grünen Früchten füllten...

Oh, welche Lust hinein zu beißen...!

Und da war auch wieder der kleine Vogel, der, der immer die Kirschen geknackt hatte, sang sein Hochsommerlied, setze sich auf eine Wanne und warnte ...: Nicht essen, sie sind ja noch nicht reif, es würde dir nicht gut tun - und die Birnen jammerten: "Nun müssen wir auf die hohen Schränke umd in den Dunkelheit reif werden...und keiner wird uns mehr anschauen, bis zum Winter"...

Das Vöglein aber zwitscherte: „Seid nicht traurig, ich komme euch besuchen“...und auch der alte Spalierbaum stöhnte laut...wie nackt er nun sei und wie traurig...

Und wieder war es das Vöglein, das sich nun einmischte und sagte: „Lieber Baum, sei nicht traurig, ich werde hin - und herfliegen und Grüße bringen von deinen Früchten zu dir, und bald wirst du den Trennungsschmerz auch überwinden, und du weißt es ja schon lange, dass sich dein Früchtetraum im nächsten Jahre wieder neu erfüllt.

Und so geschah es. Der kleine Vogel flog zu den Birnen, immer wieder, bis sie gelb und saftig geworden waren, brachte Grüße vom Baum und flog zurück und brachte sie zu allen Blättern und Ästen des Baumes...

Der Baum begann zu schlafen und zu träumen, und die Birnen freuten sich, soviel saftige Freuden zu spenden, als sie im Winter Stück für Stück auf den Tisch gebracht wurden und alle ihre Köstlichkeit priesen...

Den alten Birnbaum gibt es nicht mehr, aber wenn das Weiblein an ihn denkt, läuft ihm das Wasser heute noch im Munde zusammen.

© Marianne Reepen 
 
 

Großmütter sind etwas Wunderbares...
 
Omas geheimnisvolle Welt ....
 
Wie schön lässt es sich träumen, unter dem dichten Zauberbaum!
 
........Ach- meine kleine rundliche Oma! Plötzlich ist sie dort.
Das Weiblein erinnert sich so gerne an ihr liebes, faltige  Gesicht....
 
Wenn sie so mit ihrer  Enkelin durch ihren sehr gepflegten Garten ging, erklärte sie der kleinen „Janne" sehr viel von den Geheimnissen dieses Stückchen Bodens.
 
Durch ein Rosentor betrat man dieses lieblich Fleckchen Land.
 
Diese Stückchen Erde musste für Oma etwas ganz Besonderes sein..
.......Omas kleines Paradies?
 
Sie hatte viele kleine Blumeninseln dar und alle hatten sie verschiedene Namen: Die Insel der Stiefmütterchen war wunderschön anzusehen mit den verschiedenen  Blumengesichchen.
Warum hießen sie eigentlich „Stiefmütterchen“...fragte sich das Kind.?  
 
Wie schön fand es auch die lieblichen Priemelchen, die dunkelroten mit gelbem Inneren und daneben die leuchtend gelben! Auch tief blaue waren dabei.
 
Dann wusste Kleinjanne, nun war Frühling. Am schönsten fand das Kind die rose` tränenden Herzen an den gebogenen Stengeln, wenn sie im Wind zitterten, und es hatte große Lust, sie zu pflücken. Jedoch Großmutter erklärte, dass sie in der Blumenvase ganz schnell die  Köpfchen ganz traurig hängen lassen würden, wenn man sie pflückte..
Das wollte das Kind natürlich nicht...und es bekam eine leise Ahnung von den Gesetzen der Natur.
Dann gingen  Oma und Janne zum Hühnerstall, und Oma sagte unterwegs:
„Mal sehen ob sie fleißig waren, die lieben Hühner.
Kleinjanne interessierten weniger die weißen und braunen Eier von weißen und braunen Hühnern, fragte sich aber, warum sie so verschieden in der Farbe waren. Großmutter erzählte etwas vom Osterhasen, machte ganz oben die „Schalle“ des Stalles auf, und das Kind fragte staunend, wie denn der kleine Hase mitsamt seiner Kiepe - wohl  so hoch reichen könne um sich die Eier zum Färben zu holen...
Großmutter aber meinte, Osterhasen seine eben „...ganz besondere Hasen.
 
Natürlich waren Omas Erklärungen „echt wahr.“ Wie hätte das Kind an ihnen zweifeln können!? ...
Stolz  trug Oma  die „Ernte“ in die Küche.
 
Aber das Kind wollte auch noch  wissen, wieso Hühner, auf einem Bein stehend, nicht von den Stangen purzelten, wenn sie schliefen....
Oma meinte, das sei eben bei Vögeln so...
 
Au Backe,“ was für große Vögel! ...die kaum ein Stück fliegen konnten als hinauf auf ihre Stangen und  manchmal auch im „Kurzflug... mit Gekreische, wenn sie sich zankten... Sonst waren sie ja ganz friedlich...und pickten sich so durch ihr enges Hühnerleben....
 
Aber welche Freude, wenn zur Osterzeit die gelben Plüschküken auf dem Rasen   
ihre ersten Gehversuche machten!
 
Das Kind konnte sich nicht genügend satt sehen ...
 
Sonne am Himmel und sonnige kleine Wesen im Grünen.
 
Schöne Kinderwelt!
 
© Marianne Reepen
 
               
 
Die alte Brücke
 
„Es war einmal“ eine Brücke, es gibt sie auch heute noch, aber sie ist nun schon alt.
 
Sie wurde in einem Sommer des letzten Jahrhunderts  fertig gestellt, und weil sie zunächst auf etwas wackligen Füßen stand, baute man weiter an ihr. Sie wurde kräftiger, und schon bald konnten Kinder darüber gehen, springen und tanzen und erfreuten sich der Brücke, und die Brücke freute sich über die fröhlichen Kinder. Darum schlossen sie Freundschaft miteinander.
 
Die Brücke ist keine Besonderheit. Man hat sie aus warmem Holz gebaut, und es ist noch Leben in ihr, das von alten, kraftvollen Bäumen. Sie spricht ihre einfache,  ganz individuelle,  klare  Brückensprache,  die  Kinder und freundliche Menschen wahrnehmen und verstehen können und alle, die sie ein bisschen mögen.
 
Das Leben ist schön, sagt dann die alte Brücke.
 
Die Brücke wurde verstärkt, und bald führten viele Wege zu ihr. Es kamen viele Kinder und spielten bei ihr und auch  Jugendliche . Sie setzten sich auf das breite Geländer und erzählten sich von Kummer und Freude, und die Brücke hörte zu.  Manchmal ächzte sie auch, weil ihr der jugendliche Drang etwas zu stark und zu laut wurde, und sie hatte ein wenig Sorge, in Brand zu geraten, wegen der vielen  brennenden Zigarettenstummel, die ihr auf den Kopf fielen und zertreten wurden. Jedoch sie geriet nie in Brand und gewöhnte sich auch an manche unschöne Dinge. Immer jedoch blieb eine treue Verbindung  zu den Menschen.
 
Später stellte man eine Bank ganz dicht neben sie. Darauf setzen sich die Spaziergänger, wenn sie müde waren, und die Brücke hörte viele Geschichten mit an, die von Freuden und noch mehr von Sorgen erzählten.
 
Heute hat sie am liebsten die älteren  Menschen, die nun genau so alt oder auch älter oder jünger sind, denn sie besuchen sie immer sehr treu… und was die Leute so aus ihrem Leben berichten, das ist  manchmal noch  hoch interessant für die alte Brücke.
 
Sie ist sehr glücklich, immer noch, auch deshalb, weil sie weiß, dass sie ein Stückchen Weg ist, der Menschen ermöglicht, einige  Schritte über eine Unwegsamkeit zu machen.
Sie tut weiter ihre Pflicht, bis sie sie nicht mehr ausüben kann,  und das hat sie sich allen Ernstes  mit ihrem fröhlichen alten Brückenherz vorgenommen, und manchmal ist es ihr so, als  gehöre sie  zu den Kindern, die immer noch in ihrer Nähe spielen.
 
Sie ist eine zufriedene Brücke, und wenn einer abfällig über sie spricht, weil sie schon alt ist, dann macht es ihr nicht  so viel aus, denn sie hat ihr Alter längst angenommen. Und manchmal ist sogar ein kleiner Scherz und ein kleines Singen in ihr.
 
Die Brücke grüßt heute alle ihre alten und jungen Spaziergängerfreunde und die, die sie heute aus der Ferne grüßten.
 
Sie wurde jetzt etwas ausgebessert und es wurde ihr ein wenig neue Farbe gegeben, und einer hängte einen Kasten mit Frühlingsblumen  an das bunte Geländer. Darum ist sie  glücklich, und sicher wird sie von den kleinen Geschenken des alten Lebens träumen..
 
Am liebsten würde sie ja zu einem Brückenfest einladen, aber so viele Menschen trägt sie nicht mehr, und deshalb freut sie sich über manch einzelne Besucher auf der kleinen Bank und schaut zu, wenn einer die Vögel füttert, und manchmal setzt sich einer dieser gefiederten Freunde zu ihr aufs  alte Geländer und singt.
Dann hört sie ganz still zu, obwohl sie am liebsten mitsingen würde.
 
 
© Marianne Reepen
 
 
 
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